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Shownotes – Episode 4

Transkript der ersten Minuten:

A.B.: Herr Wolters, ich würde mit Ihnen gerne über das Thema Wissenschaft und Ethik sprechen. Ethik beschäftigt sich ja mit Fragen „Was soll ich tun?“, mit Werten. Und es ist immer die Frage: „Gibt es auch Zusammenhänge zwischen Wissenschaft und Ethik?“, „Wie kann man Werte begründen?“, „Spielt da die Wissenschaft eine Rolle?“

G.W.: Zunächst mal spielen Werte in der Wissenschaft an unterschiedlichen Stellen eine Rolle. Also sie bespielen schon im Vorfeld eine Rolle, insofern die Frage, was gute Wissenschaft ist, eine Wertfrage darstellt, weil das Wort „gut“ auftaucht, wird nach Normen gefragt und nach diesen Normen bewerten sich, ob etwas gut, schlecht oder mittelmäßig ist. Das heißt, dass bereits die Grundlegung der Wissenschaft methodologische Normen enthält, Wertfragen enthält, die keine Tatsachen darstellen, sondern die versuchen zum Beispiel so etwas wie Universalisierbarkeit sicherzustellen. Man kann natürlich sagen: „Ist mir wurscht, ob andere Leute das akzeptieren, ich mache das so. Astrologie, ja, hallo, mir ist das völlig egal, aber ich sehe hier, wie die Sterne auf mich wirken.“ Das ist eine Wertfrage, die bereits in die Anfänge der Wissenschaft hineingeht, die methodologische Ebene. Dann tauchen Wertfragen und zwar jetzt schon im Gewand eigentlich ethischer Fragen sehr häufig bei der Durchführung von Wissenschaft auf. Der klassische Fall sind Humanexperimente, aber auch Tierexperimente werfen ethische Fragen auf. Und drittens, schließlich kommen ethische Fragen ins Spiel bei der Anwendung wissenschaftlicher Resultate. Beispielsweise, wenn ich Atomforschung betreibe zu dem Zweck, Bomben zu bauen, dann sollte ich mir überlegen, was die Anwendung meiner Forschungsergebnisse bedeutet. Oder wenn ich arbeite, zum Beispiel an der Herstellung von Giftgasen, dann sollte ich mir überlegen, was das bedeutet. Oder ein etwas näherliegendes Thema, wenn ich mich mit den Wirkungen des Zigarettengenusses, des Tabakgenusses, wissenschaftlich beschäftige, dann sollte ich mir sehr genau überlegen, was für Ergebnisse ich hier produziere und wie sie ausgewertet werden von der interessierten Industrie. Dann natürlich der Bereich der Medizin, wenn ich dort etwa als Biologe an Klonierungsexperimenten im Humanbereich arbeite, stellt sich die Frage: „Wie sieht das eigentlich ethisch aus?“

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